Sprache & Integration

Schwedisch lernen ist keine Frage des Talents allein – es ist eine Frage der Ausdauer, der richtigen Schule, und manchmal schlicht des Glücks mit der Lehrerin. Stefan startete im September 2008 seinen ersten SFI-Kurs und saß in einem Industriegebiet auf Kungsholmen, siebter Stock, im Unterrichtsraum über der Autobahn, mit dreißig Mitschülern aus aller Welt. Viele von ihnen lebten schon Jahre in Schweden und lernten erst jetzt Schwedisch. Mit zwei Wochen Aufenthalt war Stefan der absolute Frischling und der einzige Deutsche.

(geschrieben am 18. September 2008 von Stefan)

Beim dritten Termin gab es bereits die dritte Lehrerin – und die erste Kontroverse über die Aussprache. Wie spricht man „tjugo" (zwanzig) aus? Weich wie „Schü", wie es ein Lehrer meinte? Oder hart wie „Ch" in „Dach", wie sie es überall hörten? Die neue Lehrerin klärte auf: Das Weiche sei veraltet und werde nur noch von Leuten benutzt, die sich für vornehmer hielten. Das Lernen selbst ging vorwärts: kurze Dialoge auf Schwedisch, Fragen und Antworten, Namen, Herkunft, Wohnort.

(geschrieben am 22. September 2008 von Stefan)

Als Malte im Frühjahr 2009 in Stockholm ankam, stand er vor denselben Hürden. Er machte einen Einstufungstest: Lesen und Verstehen gut, Sprechen an der Grenze zwischen SFI und Vuxenutbildning, Schreiben schwächer. Die Vuxenutbildning schickte ihn dennoch in den letzten SFI-Kurs, an der Åsö-Schule. Der erste Schultag: ein schriftlicher Test. Der zweite: nochmal ein Test. Der dritte: halber Unterricht, halbe Eigenzeit am Computer. Am vierten Tag die Mitteilung, er solle in eine andere Klasse wechseln – wann und wo: unbekannt.

(geschrieben am 1. April und 11. Mai 2009 von Malte)

Im Sommer 2009 gab es dann die Hiobsbotschaft: Die Åsö-Schule würde ihren SFI-Kurs einstellen, um sich auf Vuxenutbildning zu konzentrieren. Malte müsste sich eine neue Schule suchen. Doch kurz darauf die Kehrtwende: Für bestehende Schüler ginge der C-Kurs bis zur Prüfung im September weiter. Der Studienplan kam – und zeigte, wie viel noch zu lernen war.

(geschrieben am 12. und 22. Juni 2009 von Malte)

Nach dem Bestehen der SFI-Prüfung wechselte Malte in den SAS-Kurs (Svenska som andraspråk), der auf Schwedisch als zweiter Sprache auf akademischem Niveau ausgerichtet ist. Die Hausaufgabenlast dort war enorm: Bücher lesen, Präsentationen halten, Portraits schreiben, die eigene Firma in Schweden anmelden als Thema – und das alles neben dem normalen Alltag.

(geschrieben am 20. August 2010 von Malte)

Als Malte 2010 seinen ersten richtigen Job antrat – im deutschsprachigen Support für ein IT-Unternehmen – hörte er dennoch nicht auf, die Sprachschule zu besuchen. Schwedisch konnte man immer noch verbessern. Vier Jahre Schulenglisch in Deutschland reichten übrigens nicht für die schwedische VHS, um Englischkenntnisse offiziell anzuerkennen. Für ein mögliches Studium hätte er also auch Englisch nachreichen müssen.

(geschrieben am 24. Januar und 15. Dezember 2010 von Malte)

Ein besonderes sprachliches Erlebnis: ein Ausflug ins Nordiska museet (das Nordische Museum in Stockholm), wo Malte sich einen elektronischen Führungsguide auf „Leichtschwedisch" auslieh – und damit durch Jahrhunderte schwedischer Alltagsgeschichte spazierte. Sprache als Schlüssel zur Kultur: Das merkte er auch beim täglichen Kochen für Stefan, beim Versuch, Kirschen im Glas zu kaufen (die es in Schweden nicht gab), und beim allmählichen Wachsen eines neuen Alltags in einer neuen Sprache.

(geschrieben am 9. Juli 2009 von Malte)

This article was updated on 17 juli 2026