Gesundheit & Arzt

Das schwedische Gesundheitssystem lernt man erst kennen, wenn man krank ist – und dann möglichst nicht an einem Feiertag. Am 1. Mai 2009, einem Maifeiertag, ging es Malte richtig schlecht. Die erste Anlaufstelle wäre das Vårdcentral (eine Art Poliklinik) gewesen – aber war das geöffnet? Nach sechs Minuten Warteschleife legte Stefan frustriert auf. Der Närakuten in Liljeholmen? Anrufbeantworter, Rückruf nach 16 Uhr. Schließlich fuhren sie ins Karolinska-Krankenhaus – wo die Aufnahme fast zwei Stunden dauerte, da Malte keine schwedische Personennummer hatte und daher nur auf Selbstzahlerbasis behandelt werden konnte.

(geschrieben am 1. Mai 2009 von Stefan)

Das System besteht aus mehreren Stufen: Zuerst das Vårdcentral für Alltägliches, dann die Närakuten für Abend- und Wochenendnotfälle, und schließlich das Krankenhaus für echte Akutfälle. An Feiertagen oder Wochenenden ist das Netz löchrig. Ein direkter Hausarzt, den man immer wieder sieht und der die eigene Geschichte kennt, ist in Schweden nicht selbstverständlich – bei jedem Besuch kann ein anderer Arzt sitzen.

(geschrieben am 14. Dezember 2012 von Malte)

Ein praktisches und regelmäßig wiederkehrendes Thema war die FSME/TBE-Impfung gegen die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis. Stockholm und Umgebung sind FSME-Gebiet. Malte hatte die ersten beiden Impfungen noch in Deutschland erhalten, die dritte brauchte er in Schweden. Nur: In Deutschland wurde die dritte Impfung nach sechs Monaten gegeben, in Schweden erst nach neun. Und das Präparat musste dasselbe sein. Also: erst herausfinden, was er bekommen hatte, dann warten.

(geschrieben am 8. Juni 2009 von Malte)

2013 tauchte die FSME-Karte wieder auf: Im Wartezimmer des Vårdcentral entdeckte Malte eine Grafik mit den gemeldeten FSME-Fällen im Großraum Stockholm – und erinnerte Blog-Leser, die einen Besuch planten, daran, dass eine vollständige Impfung sechs bis zwölf Monate dauert. 2014 dann war es einfacher: Im Vallentuna Centrum stand ein „Spritzenauto" mit Drop-in-Impfungen, Kartenzahlung über iZettle am iPhone. Innerhalb weniger Minuten erledigt.

(geschrieben am 17. November 2013 und 14. Juni 2014 von Malte und Stefan)

2015 schließlich ein etwas anderer Gesundheitseinsatz: Steine schleppen im eigenen Garten. Der Hang hinter dem neuen Haus in Vallentuna musste umgestaltet werden, bevor die Bagger kamen. Eine Woche lang wurden Steine gesammelt, gestapelt, umgeräumt – Malte verglich es trocken mit Strafarbeit in Sibirien, nur eben freiwillig und im eigenen Garten.

(geschrieben am 30. März 2015 von Malte)